HPV im Detail2019-09-17T20:23:25+00:00

Was ist HPV?

HPV steht für Humane Papillomviren. Sie bestehen aus Erbmaterial und einer Eiweißhülle und haben keinen eigenen Stoffwechsel. Humane Papillomviren benötigen daher einen lebenden Organismus, um sich zu vermehren. Inzwischen sind mehr als 200 verschiedene HPV-Typen bekannt.
Humane Papillomviren besiedeln Haut und Schleimhäute. Je nach Typ infizieren sie entweder vorrangig Zellen der Haut oder Zellen der Schleimhäute. Die HP-Typen, die vorrangig Schleimhäute besiedeln, unterteilt man in Hoch- und Niedrigrisikotypen. Infektionen mit Hochrisikotypen steigern das Krebsrisiko und sind häufig bei bestimmten Krebsarten zu finden. Niedrigrisikotypen hingegen sind nur selten in Tumorgewebe nachweisbar.
Bevorzugt besiedeln HP-Viren Haut und Schleimhäute des Anogenitalbereiches, man spricht auch von genitalen HPV-Typen. Aber auch im Mund- und Rachenraum sind sie zu finden.

Übertragung von HPV

Eine Übertragung geschieht durch direkten Kontakt mit infizierten Haut- oder Schleimhautpartien. Mit den genitalen HPV-Typen, die mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht werden, steckt man sich in den meisten Fällen über den Geschlechtsverkehr an. Andere HPV-Typen, wie die Erreger der harmlosen Hautwarzen, werden bei ganz normalem Hautkontakt übertragen.

Eine Ansteckung ohne Haut- oder Schleimhautkontakt ist nach derzeitigem Wissensstand nicht möglich, da die Viren bei Infizierten nicht ins Blut, den Speichel, die Muttermilch und auch nicht direkt in Sperma übergehen. Einfaches Küssen oder das Stillen eines Babys sind demzufolge keine Wege, über die HPV übertragen wird.

Auch durch Oralsex können die Viren übertragen werden, wenn die Mundschleimhaut in direkten Kontakt mit infizierten Stellen im Genitalbereich des Sexualpartners kommt.

Relativ selten, aber möglich ist die Übertragung von der Mutter auf ihr Kind bei der Geburt. Dabei können die Viren von einer infizierten Mutter auf das Neugeborene übertragen werden. Die Gefahr, dass das krankmachende Folgen für das Kind wie eine gutartige Wucherung am Kehlkopf auslöst, ist jedoch äußerst gering. 

Eine Übertragung von HPV beim Kontakt der Genitalschleimhäute mit kontaminierten Gegenständen zum Beispiel über Toiletten oder Handtücher ist theoretisch möglich. Der bedeutsamste Übertragungsweg ist jedoch der über Sexualkontakte.

Anzeichen und Folgen einer Infektion

Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit HPV. In der Regel verursachen HPV-Infektionen keine Beschwerden. Viele Menschen bemerken gar nicht, dass sie sich angesteckt haben. Eine Infektion heilt in mehr als 90 Prozent innerhalb eines Jahres von allein aus. Gelingt es dem Immunsystem nicht, die Viren erfolgreich zu bekämpfen, kann die Infektion chronisch, also dauerhaft werden und zu Zell- und Gewebeveränderungen der betroffenen Haut- oder Schleimhautbereiche führen.
Aus diesen Zell- und Gewebeveränderungen kann sich im Laufe von Jahren bis Jahrzehnten eine Krebserkrankung entwickeln. Die mit Abstand am häufigsten durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist der Gebärmutterhalskrebs. 

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HPV-bedingte Erkrankungen

Die Humanen Papillomviren besiedeln Haut und Schleimhäute. Je nach Typ infizieren sie entweder vorrangig Zellen der Haut oder Zellen der Schleimhäute. Die HP-Typen, die vorrangig Schleimhäute besiedeln, unterteilt man in Hoch- und Niedrigrisikotypen. Infektionen mit Hochrisikotypen steigern das Krebsrisiko und sind häufig bei bestimmten Krebsarten zu finden. Niedrigrisikotypen hingegen sind nur selten in Tumorgewebe nachweisbar.

Gewöhnliche Hautwarzen
Sie treten meist im Gesicht sowie an Händen und Füßen auf und sind harmlos. Papillomviren, die Hautwarzen hervorrufen, infizieren in der Regel nicht den Geschlechtsbereich. Seltene Ausnahme sind Warzen im Genitalbereich von Kleinkindern.

Feig- oder Genitalwarzen
Heilt eine Infektion mit bestimmten Niedrigrisiko-HPV-Typen nicht von allein aus, können Feigwarzen entstehen. Das sind meist stecknadelkopfgroße, flache Knötchen, die schwer zu erkennen sind. Sie treten einzeln oder in kleinen Gruppen auf, häufig an Scheide, Penis oder Anus. Feigwarzen sind zwar harmlos, aber sehr ansteckend, störend und schmerzhaft.
Unbehandelte Feigwarzen können zu größeren Gebilden zusammenwachsen.

Zellveränderungen und Krebs im Anogenitalbereich sowie im Mund-Rachen-Raum

Hochrisiko-HPV-Typen können im Bereich des Afters und der Geschlechtsorgane (Anogenitalbereich) Zellveränderungen hervorrufen, die von allein wieder ausheilen können. Geschieht diese Ausheilung nicht, können Krebsvorstufen bis hin zu Krebs entstehen. Zellveränderungen, die als Krebsvorstufe gelten, werden in der Fachsprache auch als Dysplasien bezeichnet. Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen sind die am häufigsten durch HPV hervorgerufenen Erkrankungen. Genitale Hochrisiko-HPV-Typen können aber auch Vulva, Scheide, Penis oder After sowie Schleimhäute im Mund, Rachen und Kehlkopf infizieren und dort Krebs hervorrufen. 

70 – 80% aller Menschen infizieren sich im Laufe des Lebens mit HPV

Kann ich mich auf HPV testen lassen?

Eine Infektion mit Humanen Papillomviren lässt sich durch einen Labortest nachweisen. Die gängigen Tests spüren Erbmaterial von HP-Viren auf. Für den Test benötigt man Zellmaterial – entweder aus einem Schleimhautabstrich oder einer kleinen Gewebeprobe aus dem vermeintlich infizierten Bereich.
Bluttests oder andere einfachere Tests werden geprüft, sind aber aktuell noch nicht zugelassen.

Einen HPV-Test vor einer Impfung durchzuführen, ist nicht sinnvoll. Die Testverfahren weisen lediglich eine Infektion mit HP-Viren aus der Hochrisiko- oder Niedrigrisiko-Gruppe nach, der genaue Typ wird nicht identifiziert. Und selbst bei bereits bestehender Infektion mit einem HPV-Typ, kann die Impfung noch vor der Ansteckung mit anderen Typen schützen.

Ein HPV-Test wird erst ab dem 30. Lebensjahr empfohlen, da Infektionen im jüngeren Lebensalter häufig vorkommen, meist aber auch schnell wieder verschwinden. Hier könnte ein positives Testergebnis mehr verunsichern als helfen.
Sinnvoll ist ein HPV-Test insbesondere dann, wenn der Arzt bei der Untersuchung auffällige Zellen findet. Hier kann der Test helfen, die Befunde genauer abzuklären und die weitere Behandlung festzulegen.

Ursprünglich wurde der HPV-Test fast ausschließlich im Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs gesehen und diskutiert. Er gewinnt jedoch zunehmend auch bei anderen HPV-assoziierten Krebsarten an Bedeutung, beispielsweise bei Kopf-Hals-Tumoren.  Jedoch nicht für eine Krebsfrüherkennung, sondern für die begleitende Untersuchung bei der Tumordiagnostik.

Der HPV-Test ist im Gegensatz zur Untersuchung des Zellabstriches noch kein Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms. Das soll sich aber in Zukunft ändern. Frauen ab 35 Jahren soll dann eine Kombination aus Zellabstrichuntersuchung und HPV-Test angeboten werden.

Wie kann ich mich schützen?

Den sichersten Schutz vor einer Ansteckung mit den potenziell krebsauslösenden HPV-Typen bieten eine vollständige Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr oder der Verzicht auf sexuellen Kontakt.
Kondome verringern zwar eine mögliche Infektionsgefahr, bieten aber keinen sicheren Schutz vor HPV. Denn Infektionsquelle können auch Schleimhaut- oder Hautbereiche sein, die nicht durch ein Kondom bedeckt und geschützt sind.
Hat vor der Impfung bereits eine sexuelle Aktivität stattgefunden, kann schon eine HPV-Infektion vorliegen. Da man aber nicht weiß, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt und wenn ja mit welchen HPV-Typ, ist eine Impfung auch dann noch empfehlenswert. Dies kann zum Beispiel bei älteren Jugendlichen der Fall sein.  

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Aktuelle Studien

Ist es sicher, dass die HPV Impfung vor Gebärmutterhalskrebs schützt?

Für den Nachweis des Ergebnisses einer medizinischen Intervention bedarf es wissenschaftlicher Studien. Streng wissenschaftlich betrachtet kann diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beantwortet werden. Da zwischen der Infektion mit HPV und dem Auftreten des virusbedingten Gebärmutterhalskrebses zehn Jahre oder oft sogar mehr liegen, muss man für die Studien einen Zeitraum von fünfzehn, besser noch zwanzig Jahren veranschlagen. Die Impfempfehlung in Deutschland wurde aber erst im Jahr 2007 ausgesprochen.
Dennoch weisen erste Studien darauf hin, dass die HPV Impfung nicht nur vor der Entstehung von Krebsvorstufen, sondern auch vor der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs schützt.
Im Mai 2018 veröffentlichte eine Gruppe der Cochrane Collaboration die Ergebnisse einer Meta-Analyse von 26 Studien. Die Auswertung ergab, dass von 10.000 geimpften Frauen lediglich zwei Frauen an Krebs-Vorstufen erkrankten, in der Placebo-Gruppe ohne Impfung waren es 164 Frauen. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD009069.pub3/full/de#CD009069-sec1-0007
Im Oktober 2018 wurde eine australische Studie veröffentlicht, nach deren Berechnung in Australien die jährliche Neuerkrankungsrate an Gebärmutterhalskrebs bis zum Jahr 2028 auf weniger als vier Fälle pro 100.000 Frauen sinken soll. Damit würde die Krankheit durch die Impfung hinsichtlich ihrer Häufigkeit in Australien nahezu bedeutungslos werden. https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(18)30183-X/fulltext
Eine finnische Studie aus dem Jahr 2016 belegt ebenfalls die gute Wirksamkeit der Impfung: Junge Mädchen und Frauen, die vor dem ersten Geschlechtsverkehr geimpft wurden, sind zu fast 100 Prozent vor den Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs geschützt. Die über 10 Jahre hinweg durchgeführte Studie zeigte, dass keine geimpfte Frau an Gebärmutterhalskrebs erkrankte, bei den nicht geimpften Frauen der Vergleichsgruppe traten pro 100.000 Frauen acht Erkrankungen auf.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/ijc.31231 

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